Jakob Böhme

Jakob Böhme wird 1575 in Alt-Seidenberg, südöstlich von Görlitz, geboren. Seine Eltern, Ursula und Jakob, sind freie Bauern.
Vater und Grossvater sind jeweils „Kirchenväter“, was heute in etwa einem Kirchenrat entspricht. Jakob wächst also in einer frommen, in der Kirche auf der Ebene von Laien aktiven Familie auf.
Er hat sieben Geschwister und nach dem Besuch der Volksschule erlernt er den Beruf des Schuhmachers.
Aus seiner Kindheit sind einige, legendenhafte Erzählungen erhalten. Sie stammen zumeist von seinem ersten Biographen, Abraham von Franckenberg und deuten darauf hin, dass sich schon in dem Knaben eine besonderes Wesen, eine große Frömmigkeit zeigt. Ähnlich verhält es sich mit seiner Wanderschaft nach der Gesellenprüfung.

In Dokumenten erwähnt wird Jakob Böhme erst wieder 1599 in Görlitz. Er erwirbt ein Haus, eine Schuhbank, wird somit Schustermeister und er heiratet. Seine Frau Katharina ist die Tochter eines Görlitzer Fleischermeisters. Die Eheleute Böhme gehören damit zur Schicht der Handwerksmeister, die zusammen mit den Kaufleuten das gesellschaftliche Leben in Görlitz prägen. In den nächsten elf Jahren werden viel Söhne geboren und nichts deutet auf Böhmes spätere Bedeutung hin. Er gehört einzig zu den Besuchern frommer Hauskreise bei dem damaligen Oberpfarrer Martin Moller (+ 1606).

Dieses alltäglich weltliche Leben ändert sich, nachdem er 1612 seine erste Schrift „Morgenröte im Aufgang“ (später „Aurora) verfasst und sie auf Umwegen dem Oberpfarrer Gregor Richter in die Hände fällt. Der klagt ihn sofort beim Görlitzer Rat an und erwirkt ein Schreibverbot. Auslöser war nicht etwa der Inhalt der Schrift, die Richter wohl nie gelesen hat, sondern die Tatsache , dass ein „ungebildeter“ Handwerksmeister sich zu religiösen Themen äussert. Das Originalmanuskript wird Böhme entzogen und landet im Ratsarchiv. Böhme hält sich etwa sechs Jahre an das Verbot und beginnt erst 1618, auf Anregung seiner Anhänger, wieder zu schreiben. Bereits im März 1613 hatte er seine Schuhbank verkauft und sich, um seine Familie zu ernähren auf den Garnhandel verlegt, was ohne seine lebenstüchtige Ehefrau kaum gelungen wäre. Nun kann er die Verbindung zu seinen Gesprächspartnern und Anhängern intensivieren. Allerdings ohne die soziale Sicherheit, die ihm sein Handwerk ermöglichte.

Zwischen 1618 bis zu seinem Tode am 17. November 1624 entsteht nun sein mehr als 400 Seiten umfassendes Lebenswerk. Von 1613 an sind diese Jahre gebrägt von dem dauerhaften Streit mit dem Oberpfarrer Richter. Beide sterben im selben Jahr. Doch die Gegnerschaft der Pfarrei setzt sich fort, so dass selbst Böhme Bestattung mit grossen Problemen verbunden ist.

Die wenigen Einzelheiten aus seinem Leben wissen wir vor allem aus seinen „Sendbriefen.“ Böhme steht in regem Briefkontakt mit seiner Anhängerschaft, vor allem in Schlesien. Diese Briefe sind überwiegend von religiösen Inhalten geprägt, jedoch kommt manchmal auch der profane Alltag zur Sprache.